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Teilen kann schön sein: Ein Interview mit dem privaten Carsharing-Dienstleister „tamyca“

14-02-2012 von Challenge Bibendum

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Resume:
tamyca-Gründungsmitglied Michael Minis erklärt im Interview, wie privates Carsharing funktioniert, welche Sicherheiten tamyca dem Nutzer bietet und warum gemeinschaftlicher Konsum boomt.

Aktuelle Studien zeigen, dass für Jugendliche ein eigenes Autos heute einen anderen Stellenwert hat als vor 20 Jahren. Das Auto dient weniger als Statussymbol, sondern eher als Mittel zum Zweck. Gleichzeitig möchten Jugendliche dennoch uneingeschränkt mobil sein und im Idealfall sogar für jeden Anlass das passende Fahrzeug zur Hand haben.

Ein Team von Studenten und Absolventen der RWTH Aachen hat diesen Trend erkannt und entwickelte im Jahr 2010 das deutsche Internetportal tamyca. Die Idee: Privatleuten eine Plattform bieten, über die sie günstig und unkompliziert Fahrzeuge mieten und ihr eigenes Auto vermieten können. Ob ein Cabrio für den Wochenendausflug, ein Van für den Surftrip oder eine repräsentative Limousine – mit tamyca findet jeder das passende Fahrzeug in nächster Nähe. Zusätzlicher positiver Nebenaspekt: Es werden weniger Fahrzeuge benötigt, diese aber dafür deutlich intensiver genutzt – was sich positiv auf die Umweltbilanz auswirkt.

tamyca-Gründungsmitglied Michael Minis erklärt im Interview, wie privates Carsharing funktioniert, welche Sicherheiten tamyca dem Nutzer bietet und warum gemeinschaftlicher Konsum boomt.

Challenge Bibendum: Mit tamyca soll privates Carsharing zu einem festen Bestandteil der Mobilität in Deutschland werden. Was genau bieten Sie Ihren Kunden an?

Michael Minis: tamyca bietet durch einen Community-basierten Marktplatz eine günstige und clevere Alternative zu den Angeboten der Autovermieter oder dem traditionellen Carsharing. Die privaten Fahrzeuge sind unabhängig von der privaten Kfz-Versicherung des Vermieters versichert und ermöglichen es Fahrzeugbesitzern, ihr Fahrzeug sorgenfrei in andere Hände zu geben und einen Zuverdienst zu erlangen.

Challenge Bibendum: Wie ist die Idee des privaten Carsharing entstanden? War tamyca der erste Anbieter für privates Carsharing?

Michael Minis: Die Idee des privaten Carsharing ist nicht neu. Etwa das Auto der Eltern zu borgen, ist ein ganz normales Phänomen. Durch das von tamyca entwickelte Versicherungskonzept können nun alle Autos in der Nachbarschaft sorgenfrei ausgeliehen werden. tamyca war 2010 der erste Anbieter einer solchen Plattform mit einer unabhängigen Versicherung in Kontinentaleuropa. Dieses Konzept bietet eine Haftpflicht- sowie eine Vollkaskoversicherung, die unabhängig sind von der Versicherung des Vermieters. Sein Schadensfreiheitsrabatt bleibt daher selbst im Schadenfall unberührt. Zusätzlich bietet tamyca einen Unterschlagungsschutz und Pannenhilfe.

Challenge Bibendum: Welche Vorteile bietet das private Carsharing verglichen mit der Anschaffung eines eigenen Fahrzeugs?

Michael Minis: In erster Linie erspart es die Anschaffung eines eigenen Fahrzeugs. Damit können die hohen Kosten der Anschaffung und des Unterhalts eingespart werden. Es gibt keine Sorgen um Parkplätze oder Versicherungsbeiträge. Zusätzlich kann so die Anzahl Fahrzeuge im Straßenverkehr reduziert werden, wobei pro Mittelklassefahrzeug etwa sechs Tonnen CO2 eingespart werden können. Ein tamyca-Nutzer bewahrt sich zudem die völlige Freiheit, den Typ oder die Klasse Auto nutzen zu können, die gerade gebraucht wird. Sei es der Stadtflitzer oder der Transporter.

Challenge Bibendum: Welche Sicherheiten bietet tamyca, damit man sein eigenes Fahrzeug bedenkenlos einem Unbekannten leihen kann?

Michael Minis: Vertrauen und Sicherheit haben in der tamyca-Community höchste Priorität. Daher müssen alle Nutzer ein vollständiges Profil (inkl. Profilfoto und Angabe einiger Daten) angelegt haben. Durch einen anschließenden Validierungsprozess wird die Sicherheit weiter erhöht. Dabei werden Name und Anschrift sowie die verwendeten Zahlungsmittel auf Gültigkeit überprüft. Zudem bieten wir einige Möglichkeiten der persönlichen Kommunikation zwischen Mieter und Vermieter und ein Bewertungssystem, welches die Transparenz auf der Plattform erhöhen soll. Vermieter haben auf der Plattform jederzeit die volle Kontrolle und können frei entscheiden, ob sie ihr Fahrzeug an einen Anfragenden vermieten möchten. Schließlich bieten wir einen umfassenden Versicherungsschutz und als einzige Plattform in Europa einen Unterschlagungsschutz. Damit ist der Vermieter immer auf der sicheren Seite.

Challenge Bibendum: Ist es schon mal vorgekommen, dass ein Fahrzeug vom Mieter nicht zurückgebracht wurde? Wie gehen Sie mit einer solchen Situation um?

Michael Minis: Ein Diebstahl eines Fahrzeugs ist bisher nicht vorgekommen. Sicherlich kann es zu Verspätungen kommen, wenn ein Mieter auf dem Rückweg im Stau steckt. Für diese Fälle bieten wir allerdings einen Hotlineservice und versuchen immer, möglichst nahe bei Mieter und Vermieter zu sein, damit eventuelle Missverständnisse schnell aufgeklärt werden können.

Challenge Bibendum: Kritiker behaupten, dass privates Carsharing im Vergleich zu traditionellen Autovermietern keinen Preisvorteil bietet.

Michael Minis: Auf tamyca können die Vermieter vollkommen frei über die Preisstruktur ihres Fahrzeugs entscheiden. Zwar bieten wir Richtwerte zur Orientierung, letztlich regeln allerdings Angebot und Nachfrage die Preise. Der clevere Mieter vergleicht die Angebote von privatem Carsharing und Autovermietern und wird sicherlich immer öfter auf das private Carsharing zurückgreifen.

Challenge Bibendum: An wen richtet sich Ihr Angebot in erster Linie? Wie sieht der typische Nutzer des privaten Carsharing aus?

Michael Minis: Unser Angebot richtet sich an clevere und bewusst lebende Menschen. Der typische Nutzer weiß den preislichen Vorteil des privaten Carsharing zu nutzen und liebt den sozialen und ökologischen Aspekt des Teilens.

Challenge Bibendum: Für Smartphone-Nutzer stellen Sie zusätzlich eine App bereit. Welche Dienste ermöglicht die App und warum können nur Facebook-Nutzer die App einsetzen?

Michael Minis: Wir bieten Smartphone-Apps für Android- und iOS-Telefone, über die Fahrzeuge sehr bequem angefragt werden können. Jedes Mitglied kann die App auch ohne Facebook nutzen, da der Log-in mit E-Mail-Adresse und Passwort möglich ist. Die Neuregistrierung über die App ist allerdings nur mit Facebook Connect möglich, da dies schnell und unkompliziert funktioniert.

Challenge Bibendum: In welcher deutschen Stadt haben Sie derzeit die meisten Nutzer? Was denken Sie, warum gibt es gerade dort so viele tamyca-Nutzer?

Michael Minis: Die meisten Nutzer sind in den Ballungsräumen Berlin, Hamburg und München. Wir denken, dass gerade in diesen Regionen das Auto inzwischen eher auch einen funktionalen Charakter bekommen hat und der Lifestyle des Sharing hier früher angekommen ist.

Challenge Bibendum: Werden Sie in absehbarer Zukunft Ihren Dienst auch außerhalb von Deutschland anbieten? Welche Hürden müssen auf diesem Weg noch überwunden werden?

Michael Minis: Derzeit bieten wir unseren Dienst nur in Deutschland an. Wir blicken allerdings in eine spannende Zukunft. ;)

Challenge Bibendum: Teilen und Tauschen sind lobenswerte Eigenschaften. Doch wie verdient tamyca Geld mit der Plattform?

Michael Minis: Die Versicherungspauschale enthält einen sehr kleinen Anteil, den tamyca zur Deckung der Kosten verwendet.

Challenge Bibendum: Ob Wohnungen, bestimmte Geräte oder Autos – Millionen Menschen rund um den Globus vermieten ihre Besitztümer an andere und verdienen damit Geld. Warum erfreuen sich Internet-Plattformen für gemeinschaftlichen Konsum derzeit einer so großen Beliebtheit?

Michael Minis: Der globale Trend des Teilens ist getrieben durch gesellschaftliche, soziale und ökonomische Entwicklungen. Im letzten Jahrhundert entwickelte sich die Gesellschaft zu einer von Besitz und Verschwendung geprägten Konsummaschinerie. Viele Menschen erkannten dies und entschieden sich bewusst gegen diese Lebensweise und versuchen, durch nachhaltige Nutzung der vorhandenen Ressourcen ihren Beitrag zu einer Veränderung des Konsumverhaltens zu leisten. Technologien wie das Internet und die immer stärkere Verbreitung von Smartphones ermöglichen es diesen Menschen, sich zu vernetzen, machen es für beide Seiten einfach und lukrativ und erhöhen damit die Beliebtheit.



Kategorien: Car-Sharing - - Nachhaltige Mobilität

Schlagwörter: Downsizing - Umwelt - Europa - Transport